Software im Wandel – Planung im BW von Version 3.X bis 7.02

Kennen Sie noch Planungsmappen? Kennen Sie schon „Inverse Formeln“?

Eine flexible, schnelle und damit kostengünstige Unternehmensplanung durchzuführen ist das Ziel eigentlich aller Unternehmen. Die Anforderung gleichzeitig integrativ und flexibel sein zu müssen ist dabei die Herausforderung. Richtig komplex wird es dann bei der Interaktion verschiedener Teilpläne. Dabei darf eine solche Lösung niemals isoliert betrachtet werden. Planzahlen sind auch mit Blick auf ein späteres Plan-/Ist- Reporting zu definieren, die Interaktion mit konsolidierten Daten sollte beachtet werden.
Als ob die fachliche Spezifikationen einer Planungslösung nicht schon ausreichend anspruchsvoll wäre müssen sich Kunden heute auch noch mit einer Vielzahl von technischen Fragen auseinandersetzen. Das beginnt schon bei der Auswahl des richtigen Werkzeugs. So bietet die SAP mit der integrierten Planung und Business Planning and Consolidation zwei mögliche Planungswerkzeuge an. Für die Konsolidierung werden drei, für das Reporting und Dashboarding sogar noch mehr hauseigene und zugekaufte Werkzeuge angeboten. Das ganze wird ergänzt durch verschiedene Erweiterungen wie das Composition Environment (mit Visual Composer), WebDynpro (Einsatz in der ABAP- oder Java-Version?), Business Server Pages, WebServices etc.

Doch drehen wir das Rad noch einmal zurück…

Wurde noch vor einigen Jahren die Frage einer Planungslösung auf Basis SAP und BW diskutiert waren die Mittel klar definiert. Reporting wurde mit den BEx-Tools, Planung mit dem Werkzeug BPS (Business Planning and Simulation) durchgeführt. Unter Verwendung von Standardfunktionalitäten konnte bestenfalls das Enterprise Portal als Integrationswerkzeug beide Welten verbinden. Fast vergessen die Möglichkeit mit Planungsmappen eine Planung in der SAP GUI durchzuführen.

2006 Release der BI – Integrierten Planung

Als die SAP 2006 mit der so genannten integrierten Planung (BW-IP) den Integrationsgedanken der NetWeaver Plattform auch auf den OLAP-Prozessor übertrug konnte man, wollte man den Ankündigungen glauben mit einem großen Wurf der SAP rechnen. Mit nur noch einem Werkzeug, den BEx Queries konnte nun nicht mehr nur das Lesen sondern auch das Schreiben der Daten von der Eingabemaske zurück in das Business Warehouse ermöglicht werden.

2007 erfolgt die Übernahme von Outlooksoft durch die SAP

Über die Gründe warum die SAP im Jahre 2007 dann das einst ist Stamford (US-Bundesstaat Connecticut) beheimatete Unternehmen Outlooksoft entschieden hat darf weiter spekuliert werden. Sicher war zu diesem Zeitpunkt die Einführung der neuen integrierten Planung, sowie auch das ganze BI 7.0 mehr als holprig verlaufen. Jedenfalls wurde für geschätzte zwei- bis dreihundert Millionen Euro ein neues Excel-Frontend für das SAP Business Warehouse eingekauft.

Schon auf den ersten Blick wurde klar, SAP BPC (neuerdings SAP BO PC) spielt seine Stärken besonders in gewohnter Umgebung, will heißen als Erweiterung innerhalb von Microsoft Excel aus. Dabei bietet es Workflow gestützte Eingaben, natürlich alle Excel-Funktionen und dazu noch die Möglichkeit Logiken / Automatismen zwischen verschiedenen Objekten abzubilden. So merkt man der Software bspw. beim Modellieren von Regeln zur Abschreibung oder Gegenbuchungen deutlich die Herkunft aus dem Financials-Bereich an.  Folgerichtig können mit dem gleichen Tool Daten nicht nur geplant sondern auch konsolidiert werden.

BI BPC Architektur

Dennoch hat die immer noch besser unter dem Namen Outlooksoft bekannte Software noch so seine Schwächen. In der Version 7  auf NetWeaver Basis muss BPC nun gänzlich ohne Microsoftbasis auskommen und läuft im Zusammenspiel mit der OLAP-Engine des SAP BW. So wird die integrierte Datenhaltung auf einer einzigen Plattform sichergestellt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass SAP BPC bereits in das SAP BW integriert wurde. Die Daten werden im SAP BW lediglich in einem eigenen Namensraum gehalten. Das größte Problem dabei sind die Stammdaten. Eine echte Verknüpfung von Infoobjekten und Stammdaten erfolgt nämlich nicht. Die Kommunikation erfolgt mittels spezieller Prozessketten im SAP BW. Weitere Baustellen sind Themen wie Sicherheit, Berechtigungen oder Änderungssperren.

So ist derzeit wieder entgegen früherer Ankündigungen zu hören (so auch diese Woche im entsprechenden DSAG Arbeitskreis), dass die SAP die im Business Warehouse beheimatete integrierte Planung nun doch weiter entwickelt wird. So läuft auch die Wartung nicht wie früher verlautet aus, sondern wurde auf unbestimmte Zeit verlängert (selbstverständlich abhängig vom individuellen Vertragswerk).

2009 BW IP wird um inverse Formeln erweitert, IP bleibt die technische Plattform

Nach verschiedenen Erweiterungen rund um die Datendisaggregation mit und ohne Hierarchien können nun ab Release 7.02 bzw. Release 7.01, SP05 im Query Designer für eingabebereite Queries auch Formeln eingabebereit geschaltet werden. Soll dieses Feature verwendet werden, so sind Regeln zu hinterlegen, wie das System eine eingabebereite Formel auf die eingabebereiten Operanden der Formel abbilden soll.

Dazu sind so genannte „inverse Formeln“ zu definieren. Werden also zur Laufzeit der Query Werte solcher eingabebereiten Formeln geändert, rechnet das System gemäß der inversen Formeln auf die Basis- oder eingeschränkten Kennzahlen zurück. Ist eine Rückrechnung auf mehrere Operanden möglich müssen mehrer inverse Formeln priorisiert (in definierter Reihenfolge) hinterlegt werden. So wird auch die gleichzeituge Änderung mehrerer Operanden unterstützt. Gegebenenfalls werden durch das Ergebnis der Berechnung sogar geänderte oder berechnete Werte für Basis- oder eingeschränkte Kennzahlen disaggregiert.  Sollen einzelne Operanden bei der Rückrechnung festgehalten werden (wird also ggf. eine Priorisierung übersteuert), soll also bspw. bei Änderung des Durchschnittspreises nur die Menge, nicht aber der Stückpreis  verändert werden so können einzelne Zellen im Frontend auch gesperrt werden. Diese Sperre ist aber nicht zu verwechseln mit einer „echten“ Datensperre im Backend. Das Sperren einer solchen Zelle erfolgt sinnvollerweise durch jeden Anwender zur Laufzeit nur in seinem Frontend und kann durch eine IP-Planungsfunktion ggf. übersteuert werden.

Inverse Formeln schaffen nicht nur Flexibilität im Design von Planungsanwendungen, sondern können auch deutliche Performancegewinne bringen. Schließlich muss nicht der ganze Datenpuffer erneut zur Planungsfunktion transferiert werden sondern die Berechnungen finden auf der gleichen Basis statt wie die Anzeige. Um Formelergebnisse persistent zu speichern werden aber weiterhin die klassischen Planungsfunktionen benötigt. Durch eine inverse Formel können nur die Operanden verändert werden.

Kann man aus den jüngsten Entwicklungen nun ableiten, dass sich die Waage in Walldorf wieder in Richtung BI IP auszuschlagen beginnt? Derzeit ist das noch schwer zu sagen. Sicher scheint nur, dass im Hintergrund der OLAP Kern und damit die BEx-Queries überleben werden. Vielleicht resultiert die Erweiterung nur aus den ohnehin für die weitere BPC-Integration notwendigen Anpassungen der OLAP-Engine. Letztlich müssen also bis auf weiteres beide Werkzeuge von Fall zu Fall auf ihre Tauglichkeit überprüft werden. Nicht zuletzt wird es auch darauf ankommen wie sie in ihrem Unternehmen die Unternehmensplanung angehen wollen und was ihre Planung leisten soll. Eine hochflexible Lösung in Excel hat ihre Vorteile, ebenso die hochintegrative Lösung im Browser. Spezifischere Lösungen erfordern vielleicht den Einsatz von WebDynpro oder einer Visual Composer Applikation. Wie schön, dass es heute mehr als eine Antwort auf die Frage gibt wie Daten über ein Frontend im Business Warehouse gespeichert werden können.

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