SAP BPC 10.1, integrierte Planung heißt jetzt „Unified Planning“.

Mit SAP Business Planning and Consolidation (BPC) 10.1 gelingt der SAP ein weitaus größerer Schritt als der Versionssprung von 10.0 auf 10.1 vermuten lässt. Seit Dezember 2013 im Ramp-Up und auf diversen Messen präsentiert wächst das Interesse der potentiellen Anwender parallel zur Verunsicherung. Höchste Zeit also um auch im FIVE1-Blog ein wenig Aufklärung zu betreiben.

Wurde BPC in der Vergangenheit immer als Microsoft und NetWeaver Version ausgeliefert, so ist das mit SAP BPC 10.1 anders. SAP BPC 10.1 ist nur als reine NetWeaver-Version verfügbar. Das hat seine Gründe:

Mit SAP BPC 10.1 wird das so genannte „Unified Model“ eingeführt. Unified, weil BPC und die integrierte Planung des SAP BW nun sukzessive verschmelzen. Unified weil integrierte integrierte Planung zwar auch gepasst, aber nicht so griffig gewesen wäre. So verzichtet BPC ab 10.1 im Unified Modell endlich auf Infoprovider im eigenen Namensraum und kann nun analog zur integrierten Planung mit Realtime-Cubes und Aggregationsebenen umgehen. Auch alle anderen Infoprovider lassen sich zur Datenanzeige nutzen. Insbesondere also auch virtuelle Infoprovider auf Basis von HANA-Datenmodellen. Gemeinsame Infoobjekte erleichtern die Arbeit.

SAP BPC 10.1
Quelle: SAP

BPC kann im Unified-Modell die IP-Planungsfunktionen, wie bspw. Kopieren oder Verteilen – und somit auch das PAK (Planning Application Kit, die Optimierung der integrierten Planung für HANA) nutzen. Dies schließt FOX-Formeln als Planungsfunktionstyp der integrierten Planung mit ein. Auch ABAP-Exits sind so (wieder) möglich. Auf das ungeliebte BPC Script kann künftig also verzichtet werden!

Noch sind aber nicht alle aus früheren BPC Versionen bekannte Funktionalitäten im Unified Planning Modell verfügbar. Insbesondere zur Konsolidierung taugt es derzeit (ohne eigenentwickelte Erweiterungen) noch nicht.
Die Interaktion mit dem Unified Planning Modell erfolgt über das BPC 10.1 Web Frontend. Hier sind auch BPC 10.1 Features wie BPFs, Work Status und Data Auditing verfügbar.

Getreu dem von Vishal Sikka ausgegebenen Kredo „Innovation without disruption“ wird mit BPC 10.1 keinerlei Funktionalität abgeschaltet. So muss nicht zwingend auf das Unified Modell gewechselt werden. Als so genanntes “Classic BPC” besteht das bisherige Modell neben dem Unified Modell mit all seinen Nachteilen aber dem derzeit noch größeren Funktionsumfang fort.

Leider erfordert der Umstieg auf das neue Modell nicht nur das reine Wollen, sondern einen Wechsel der Datenbank: Das Unified Modell steht nur dann zur Verfügung, wenn ihr NetWeaver-System auf einer HANA-Datenbank läuft. Aufgrund der Architektur erscheint mir diese Abhängigkeit nicht wirklich zwingend. Aufgrund der Strategie der SAP den Kunden HANA verkaufen zu wollen allerdings in jedem Fall. So werden konform zu früheren Aussagen auch weiterhin alle Datenbanken unterstützt, aber nicht alle Funktionen mit jeder Datenbank. Wenn dies ohne wirkliche Notwendigkeit passiert, so stellt sich einmal mehr die Frage nach Sinnhaftigkeit und Höhe von Wartungsgebühren. Wir bei FIVE1 hätten es jedenfalls lieber gesehen, wenn die SAP ihre Kunden selbst entscheiden ließe ob sie die Performance ihrer Planung mit SAP HANA steigern möchten oder nicht. Das dies in vielen Fällen sinnvoll ist steht schließlich auf einem anderen Blatt.

Neben dem Unified Modell wurde der Version 10.1 des BPC ein technisch völlig neues Webfrontend spendiert. Hier ist es auch unerheblich ob Sie mit dem klassischen oder dem Unified Modell arbeiten (müssen). Das Webfrontend wird nun statt mit Hilfe von Adobe Flex mit dem SAP eigenen HTML5 basierten Toolkit UI5 aufbereitet. So muss auf dem Frontendrechner oder Mobiltelefon kein Flash Player mehr installiert sein. Insbesondere werden damit also nun auch alle Apple-Endgeräte unterstützt.

SAP BPC 10.1 2
Quelle: SAP

Voraussetzung zur Nutzung von BPC 10.1 ist SAP NetWeaver BW 7.4 SP05 und SAP UI5 1.16. Für die Excel-Integration benötigen Sie einen Rechner mit einem Microsoft Betriebssystem (Windows XP bis Windows 8) und MS Office 2003, 2007, 2010 oder 2013. Das SAP EPM ADD-In 10.0 muss mindestens auf SP16 sein.

Das das Zusammenwachsen von BPC mit dem BW, wie zuletzt bei den DSAG Technologietagen im Plangsslot der SAP als Überraschung verkauft wird hat mich dann doch verwundert. Seit dem Kauf von Outlooksoft im Mai 2007 wurde in entsprechenden Präsentationen und Vorträgen eigentlich immer diese Verschmelzung als Ziel angekündigt. Das dann zunächst eine Integration „light“ entwickelt und der Beginn einer „echten“ Integration sieben Jahre auf sich warten ließ mag im Rückblick schon eher überraschen. Vermutlich tritt in solchen Momenten die langjährige Inkonsequenz der eigenen Strategie zu Tage. Unter vorgehaltener Hand war die BW-IP ja schon Geschichte bevor ihr durch den HANA Schnellzug doch wieder neues Leben eingehaucht wurde. Vielleicht hatte ja auch bei SAP zwischenzeitlich kaum noch jemand an eine weitergehende Integration von BPC mit SAP BW geglaubt…

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Seien wir nun aber nicht nachtragend, sondern freuen uns auf die erste BPC Version die als NetWeaver Kunde nicht nur in Ausnahmefällen Sinn macht. Schade nur, dass nicht alle BW Kunden an der Party teilnehmen können.

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Ein Kommentar auf “SAP BPC 10.1, integrierte Planung heißt jetzt „Unified Planning“.
  1. Schöne Zusammenfassung, interessant für unsere weitere Planung.

    Viele Grüße,

    Frank Hachenberg (früher Klosterfrau)

1 Pings/Trackbacks für "SAP BPC 10.1, integrierte Planung heißt jetzt „Unified Planning“."
  1. […] Wer tiefer in die Architektur der Lösung einsteigen möchte, dem empfehle ich diesen Blog unseres Partners Five1. […]

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