S/4 HANA – Das nächste dicke Ding?

S/4 HANA
In den 1970er Jahren erfand SAP die betriebswirtschaftliche Standard-Software. Mit R/3, ursprünglich nur in Ergänzung zu R/2 als Software für den Mittelstand konzipiert, schaffte man den Sprung auf die neue Client-Server Architektur. Anfang des neuen Jahrtausend glaubte man mit Service orientierter Architektur die Antwort auf das anbrechende Internetzeitalters gefunden zu haben. So wurde das SAP R/3 ab 2004 nacheinander unter verschiedenen Namen auf der webbasierten Integrations- und Applikationsplattform SAP NetWeaver angeboten. 2010 kam HANA (siehe auch „Eine kurze Geschichte der SAP von R/3 bis HANA„). Heute, im Jahr 2015 veröffentlicht SAP mit S/4 HANA nicht einfach ein neues Release des SAP R/3, sondern das nächste dicke Ding („SAPs Next Big Thing“). Betriebswirtschaftliche Standardsoftware auf Basis der In-Memory-Technologie. SAP eifert nun sogar bei den Produktvorstellungen Apple nach. Hasso Plattners Auftritt erinnerte – wirklich im positiven Sinne – an Steve Jobs.

Schauen wir doch einmal genauer hin. SAP revolutionierte ohne Zweifel in den 1970er und 1980er Jahren den Markt der betriebswirtschaftlichen Standardsoftware. SAP HANA ist ohne Zweifel ein tolles und innovatives Produkt. Auch S/4 HANA sieht vielversprechend aus. Aber ist S/4 HANA wirklich ein „nächstes dickes Ding“?

Ziehen wir einmal alles was Marketing ist ab, so sollte sich so ein „dickes Ding“ doch noch immer erheblich vom „normalen Ding“, vom Alltagsgeschäft unterscheiden (um ein wirklich „dickes Ding“ zu sein). Was macht also aus einer neuen Software, einem neuen Gerät oder ganz allgemein einem neuen Angebot ein solch „dickes Ding“?

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Steve Jobs präsentierte in seiner Zeit bei Apple insgesamt 29 „one more things“. 2007, bei der Vorstellung des iPhone, bezeichnete er selbst aber nur drei davon als wirklich außerordentlich. Seiner Auffassung nach wäre es ein Glück in den meisten Unternehmen ein einziges „großes Ding“ mitzuerleben. Ihm sei es vergönnt drei solch revolutionären Ereignissen beizuwohnen. Diese drei haben verschiedenste Bereiche des täglichen Lebens revolutioniert. Es wurden riesige Markterfolge erzielt. Der Macintosh im Jahre 1984 definierte den Heimcomputer neu. Der iPod im Jahr 2001 veränderte die gesamte Musikindustrie und das iPhone im Jahr 2007 änderte viel mehr als nur die Art wie wir telefonieren. Jedes dieser Geräte ging mit der Erfindung revolutionärer Bedienkonzepte einher: Der Maus, dem Click-Wheel und schließlich Multi-Touch. Seit Steve Jobs das iPhone präsentierte, ist die Softwareindustrie nicht mehr die Selbe. Die Messlatte für gute Software wurde deutlich höher gelegt. Weil das jeweilige Produkt nicht einfach ein Produkt war, sondern den Standard in seinem Segment radikal veränderte – und dieser Standard obendrein für lange Zeit Bestand hatte.

SAP dagegen hat 2015 (wieder einmal) nur Technologie gezeigt. Sicher ein wunderbares Stück Software. Nach gut 25 Jahren ist auch SAPs ERP-System wieder auf der Höhe des technisch machbaren angekommen. Ein würdiges „one more thing“ also. – Ob es aber das Zeug zu einem ganz „dicken Ding“ hat wird sich erst noch zeigen müssen.

Glas halb voll oder Glas halb leer?

Steve Jobs hätte wohl S/4 HANA erst vorgestellt, wenn es auch wirklich fertig gewesen wäre. Wenn er Bedienung und Mehrwert hätte eindrucksvoll präsentieren können. Oder können Sie sich eine Keynote zum ersten iPhone vorstellen in der Apple nur die Telefonie zeigt und dann in Hinblick auf Musik- und Internet- Funktionen auf die Roadmap der nächsten Jahre verweist?
So schafft es SAP fünf Jahre nach Vorstellung der HANA neben Geschwindigkeit nun gerade einmal die „Simplicity“ als Kaufargument hinzuzufügen. Kein schlechtes Argument, aber sicher auch ein kritisch zu hinterfragendes (lesen Sie dazu auch „Jetzt wird alles einfach – aber bitte nicht einfacher“„).

Andererseits muss man anerkennen, dass SAP durch das „next big thing“- Statement ein starkes Signal sendet. Ein „seht her, was wir geschaffen haben“. Man erklärt, dass es gelungen ist, über sich hinaus zu wachsen.

Man hat etwas erreicht, das durch einfache Extrapolation des Status Quo nicht gelungen wäre.

Und auf so ein Ausrufezeichen haben wir, hat die SAP-Welt in der Tat schon länger gewartet. 

Halten wir also fest. Die wichtigste Fähigkeit ist es, überhaupt in der Lage zu sein, über sich hinaus zu wachsen. Denn ohne das „über sich hinauswachsen“ gibt es ganz sicher kein nächstes dickes Ding. Gelingt das nachhaltig, so wird sich das nächste „dicke Ding“ früher oder später einstellen.

Auch bei FIVE1 haben wir das erkannt. Aus einem reinen SAP BI Beratungshaus sind wir zum Softwareanbieter geworden. Das eröffnet uns völlig neue Möglichkeiten und Chancen….und darauf sind wir mächtig stolz.

Was ist eigentlich Ihr „dickes Ding“ in 2015? Können wir Sie vielleicht dabei unterstützen? Fangen Sie doch gleich damit an. Wachsen Sie über sich hinaus und rufen Sie uns an!

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