Mit SAP HANA aus der Data Warehouse – Falle?

In einer aktuellen Umfrage des BARC bewerten 98 Prozent der befragten Unternehmen die Bedeutung ihres Data Warehouses als „wichtig“ oder sogar „kritisch“ für ihr Unternehmen. Damit wird Business Intelligence fast als ebenso bedeutend eingestuft wie die operativen ERP-Systeme. Dennoch werden BI-Systeme gleichzeitig als zu unflexibel, zu teuer und zu langsam kritisiert.
Gerade die immer dynamischer werdenden Anforderungen an ein Business Warehouse setzen eine strukturierte Sammlung und Aufbereitung von Kennzahlen für Entscheidungen voraus. Erst auf einer gesicherten Datenbasis lassen sich fundierte Entscheidungen treffen.


Leider liegt genau hier die Krux. Viele Unternehmen haben die Terabytegrenze schon überschritten, andere stehen kurz davor. Mit steigenden Datenmengen und jedem weiteren Projekt steigt auch die Komplexität. Darunter leidet fast zwangsläufig auch die Datenqualität des Gesamtsystems. Im besten Fall kann diese noch pro Anwendung oder Geschäftsbereich sichergestellt werden. Ein unternehmensweites Konzept fehlt meist. Wenn die IT-Abteilungen personell und systemseitig nicht mitwachsen, fällt auch die Systemperformance kontinuierlich. Mit jedem weiteren Projekt gerät die Umsetzung neuer Anforderungen mehr und mehr ins Stocken. Betrieb und Wartung der SAP-Systeme verschlingen einen immer größeren Teil des Budgets. Neue Anforderungen werden immer schleppender umgesetzt. Um „arbeiten zu können“ behelfen sich viele Fachabteilungen mit Eigenentwicklungen unter Access oder Excel. Neue Insellösungen entstehen und die Gesamtsituation verschärft sich weiter. Innovationen bleiben bei dieser Entwicklung fast gänzlich auf der Strecke.

Der Mehrwert eines Datawarehouse steht und fällt mit dessen Akzeptanz.

Um aus diesem Teufelskreis zu entkommen muss kontinuierlich an der Akzeptanz des Business Warehouse gearbeitet werden. Wer hier nur an der Kostenschraube dreht erweist dem Unternehmen einen Bärendienst.

Optimierungspotential im BI-Umfeld:
Mögliche Handlungsfelder sind Software, Hardware, Organisation und Innovation. Obenstehende Tabelle zeigt einige Beispiele wie im BI-Umfeld Mehrwert geschaffen, die Performance verbessert und dadurch die Akzeptanz gesteigert werden kann. Nur so sinken die TCO (total costs of ownership) nachhaltig. Welche Methoden für ihr Unternehmen geeignet sind und mit welchen Maßnahmen man konkret beginnen sollte hängt in erster Linie vom Optimierungspotential, sicherlich aber auch von den „politischen“ Rahmenbedingungen ab. Der Einsatz eines externen Beratungspartners ist hier sehr zu empfehlen. Er kann die richtigen Impulse setzen, wenn nötig zwischen den Stakeholdern vermitteln und gemeinsam mit Ihnen den geeigneten Methodenmix bestimmen. So sollten Sie beispielsweise nicht blind auf Hype-Themen wie HANA oder Mobile BI setzen, sondern die nächsten Schritte konsequent an ihrem Bedarf ausrichten. Beispielsweise könnte in vielen Firmen durch ein besseres Lizenzmanagement viel Geld gespart werden wie auch die Computerwoche in einer etwas älteren Ausgabe aufzeigt. Die Archivierung nicht (mehr) genutzter Daten kann wahre Wunder bewirken, ein Full- meist durch ein Delta-Load ersetzt werden.

Eine maßgeschneiderte Strategie beinhaltet immer auch Innovationen, aber zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Dosis.

Die In-Memory-Technik ist zur Zeit das Hype-Thema im SAP Umfeld. Mit HANA soll nun alles schneller, effizienter und irgendwie besser werden. Kann aber wirklich ein einziges Produkt ein Allheilmittel für ihr Unternehmen sein? Sicher nicht. Also erst einmal nichts tun und im neuen Jahr die Erfahrungen der anderen abwarten? Auch das ist nicht zu empfehlen. Doch der Reihe nach.

Im Unterschied zu Themen wie SOA, MDM oder Cloud ist In-Memory kein neues Thema (mehr). Mit dem BWA und TREX hat die SAP schon länger erfolgreiche In-Memory Produkte im Angebot. Viel wichtiger jedoch, SAP – seitig wird es mittelfristig keine Alternative zu HANA geben. HANA wird das „Herz“ aller zukünftigen Anwendungen „on premise“ oder in der cloud sein. Schon allein daher ist die frühzeitige Beschäftigung mit dieser Software sinnvoll. Dabei rücken schnell zwei Dinge in den Mittelpunkt. Hoher Performance stehen hohe Investitionen gegenüber. Die SAP hat diesen Effekt „Price-Performance“ getauft um zu verdeutlichen, dass man für sein Geld überdurchschnittlich viel Leistung bekommt. Das ist sicher nicht falsch, die Gefahr dieser Betrachtungsweise liegt aber darin, die In-Memory – Technik auf die Geschwindigkeit zu reduzieren – und das wäre viel zu kurz gegriffen. Mehr als jede andere Software sollte man HANA unter dem Aspekt betrachten ob und wenn ja wie die Akzeptanz des Gesamtsystems erhöht werden kann. Was kann HANA also wirklich leisten?


HANA verbessert die Stabilität im laufenden Betrieb gegenüber dem klassischen Datawarehouse deutlich. Layerkonzepte und mehrstufiges Datenladen können weitgehend durch Views auf die Datengrundlage ersetzt werden. So wird es viel seltener notwendig sein Daten redundant vorzuhalten. Auf Grund der spaltenbasierten Speicherung sinkt das in HANA gespeicherte Datenvolumen gegenüber klassischen Datenbanksystemen zusätzlich. Lesezugriffe sind auf spaltenbasiert abgelegten Daten um ein vielfaches schneller da jeder Wert pro Spalte nur einmal abgelegt wird. Die in HANA enthaltene „Calculation Engine“ führt auch komplexe Berechnungen direkt im Hautspeicher durch. Dies entlastet das Frontend und reduziert notwendige Bandbreiten zur Datenübertragung. Durch Replikation der Daten aus SAP und anderen Quellsystemen stehen die Daten in HANA praktisch in Echtzeit zur Verfügung. Daraus ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Beispielsweise können Banken Liquiditätsrisiken (gesetzliche Anforderung nach BASEL3) Intraday erkennen, Handelsunternehmen Auswirkungen bei der Unterbrechung von Lieferketten simulieren, Retailer Promotions steuern oder Industriebetriebe die Auswirkungen von Schwankungen der Rohstoffpreise auf den Endpreis berechnen. So können bessere, in manchen Szenarien vielleicht erstmals fundierte Entscheidungen getroffen werden.
Viele Lösungen müssen nicht in langwierigen Projekten entwickelt werden. SAP HANA wird mit wachsendem Content ausgeliefert. Als derzeit vielleicht beste Lösung ist hier der CO-PA Accelerator zu nennen. Dabei ergeben sich aus Endanwendersicht keine Änderungen, die Performance steigt jedoch um den Faktor 10 bis 100. Dies wird durch Auslagern der rechenintensiven Operationen nach SAP HANA erreicht. Das Ergebnis wird dann aus HANA wieder in das ERP eingelesen. Dieses Prinzip lässt sich selbst ohne vorgedachte Lösung der SAP auf beliebige ERP-Szenarien anwenden. Ein schönes Beispiel dafür, dass SAP mit SAP HANA zurecht Innovation ohne Unterbrechungen verspricht. Das bedeutet insbesondere aber auch, dass völlig neue Anwendungen in die bestehende Landschaft gebracht werden können, ohne dass dadurch der laufende Betrieb gestört wird. Sukzessive werden auch bereits bestehende Produkte In-Memory-fähig weiterentwickelt. Ein relativ bekanntes Beispiel hierfür ist der BO Explorer der auch in einer „accelerated“ Version verfügbar ist, oder auch das SAP BW welches ab Version 7.3 (bzw. 7.31, also 7.0 mit EhP3) SPS5 dann als Anwendung auf HANA laufen wird. Letztere Option wird etwa ab Sommer 2012 allgemein verfügbar sein. Lesen Sie dazu auch „SAP HANA – Das Ende des Business Warehouse?„.


Der größte Mehrwert im BI-Umfeld kann aber ohne Zweifel durch Gegenwarts- oder Zukunfts- gerichtete Analysen erzielt werden. Also durch Monitoring, Prognosen und Simulationen. Fakt ist aber, dass BI heute vor allem für die Retrospektive eingesetzt wird. Selbst KPIs entpuppen sich bei näherer Betrachtung meist als KRIs (Key Result Indicator).

Mit SAP HANA SP03 (ehemals HANA 1.5) wird der nächste logische Schritt weg von einem rein vergangenheitsgerichteten BI hin zu einem prozessorientierten und steuernden BI vollzogen. Dazu werden in der so genannte Business Function Library (BFL) Vorhersage- und Prognosemodelle zur Verfügung gestellt. Typische Data Mining Funktionen wie ABC-Klassifizierung, Clustering (K-Means-Algorithmus), Regression, Assoziative Analyse (Apriori), Entscheidungsbäume und Bewertungstabellen (Weighted Score Tables) sind von Beginn an enthalten. Diese können mit dem völlig neuen Werkzeug „Predictive Analysis Designer“ zu komplexen Vorhersagemodellen kombiniert werden. Das Look & Feel dieses Tools ähnelt dem des Visual Composers, die Funktionalität dem des Analyse Process Designers (APD) des SAP BW. Der Clou, die so erzeugten Modelle können in den SAP BO Tools WebIntelligence (WebI), Explorer und Analysis Edition für OLAP eingebunden werden.

Fassen wir zusammen. SAP HANA ist viel mehr als eine neue, schnelle Datenbank. HANA ist die In-Memory – Plattform der SAP. Eher der Nachfolger des NetWeaver als des BW. Langfristig aber eine Symbiose aus Business Warehouse und ERP. Schon heute sind mit SAP HANA gleich in mehreren Akzeptanz-Dimensionen deutliche Verbesserungen möglich! In Zukunft wird es kaum noch ein SAP Produkt geben das nicht auf HANA basiert. Andererseits muss zur Nutzung von HANA nicht zwangsläufig ein anderes System abgeschaltet werden. HANA könnte bspw. in einer Übergangsphase neben den vorhandenen Installationen betrieben werden. Worauf also warten? Wir helfen Ihnen gerne bei Ihrem Weg nach HANA.

Innovation is Back Big Time at SAP

Eric Duffaut (Head of global Ecosystem der SAP) hat kürzlich ein schönes Bild gebraucht. Beim Surfen geht es um zwei Dinge: 1.) Auf dem Brett stehen bleiben und 2.) die Welle im richtigen Moment zu erwischen. Bleiben Sie nicht auf dem Brett stehen, sondern surfen Sie mit uns. Jetzt ist der richtige Moment!


Veröffentlicht im E3-Magazin 04.2012

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