Gedanken zu SAP BW/4 HANA

San Francisco war am siebten September 2016 der „place to be“. Als Apple das iPhone 7 der Welt präsentierte stellte SAP nur ein paar Straßen weiter BW/4 HANA vor. Bei Apple übernahm das gewohnt professionell Tim Cook, SAP schickte einen Tecki. Dabei standen beide Unternehmen vor keiner einfachen Aufgabe. Es galt den Konsumenten zwischen inkrementellen Verbesserungen eine unerfreuliche Botschaft zu überbringen. Apple nahm seinen Kunden den Klinkenstecker für den Kopfhöreranschluss, SAP seinen Kunden die freie Wahl der Datenbank. Wirklich zwingend war das für beide nicht. Ganz unsinnig aber auch nicht.

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Steve Jobs hat es einst so ausgedrückt: „Wir versuchen großartige Produkte für Menschen zu machen und wir stehen […] zu unseren Überzeugungen indem wir sagen, dass wir nicht denken, das dies Teil davon ist, was ein großartiges Produkt ausmacht, wir werden es weglassen. Einige werden das nicht mögen, sie werden uns beschimpfen […], aber wir werden das aushalten [und] stattdessen unsere Energie auf die Technologien konzentrieren, von denen wir denken, dass sie sich im Aufstieg befinden und von denen wir denken, dass sie die richtigen Technologien für Kunden sind. Und wissen Sie was? Sie bezahlen uns dafür, solche Entscheidungen zu treffen […], wenn wir erfolgreich sind, werden sie sie kaufen, und wenn wir es nicht sind, werden sie sie nicht kaufen und es wird sich alles von selbst ergeben.“

Tatsächlich erkennen wir die Dinge oft nicht, selbst wenn sie vor uns stehen. Apple entfernte nicht einfach den Klinkenstecker, sondern präsentierte mit den AirPods viel mehr als kabellose Kopfhörer. Sie sind kleine Computer, angetrieben von einem neuen Chip. Sie erkennen, ob wir sie im Ohr tragen, und unterbrechen das Abspielen automatisch. Wenn man ein iPhone bei sich hat kann man einfach mit einem Finger zweimal auf die Oberfläche eines AirPod im Ohr tippen um sich mit Siri zu verbinden. Der persönliche Assistent ist näher denn je.
SAP entfernt nicht einfach die Unterstützung für Datenbanken von Drittanbietern, sondern auch jede Menge Quellcode. Das macht die Weiterentwicklung günstiger, schneller und das Produkt langfristig besser. SAPs Technologievorstand Bernd Leukert und Allzweckwaffe Ian Kimbell versuchten mit Hilfe von Zauberwürfeln, quasi als lebendig gewordenes Erklärvideo, dem Publikum diese Entscheidung schmackhaft zu machen. Das konkrete Versprechen lautet außerordentliche Flexibilität in der Modellierung und extreme Geschwindigkeit bei der Analyse von Daten.

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Dank automatisch generierter Views können Daten aus BW/4 nun auch direkt mit Daten in S/4 HANA zusammengeführt werden. Das war (über Umwege) zwar schon länger möglich, aber offiziell nicht erlaubt. Nun traut man der eigenen Datenbank Schema-übergreifende Abfragen offensichtlich zu. Die so erzeugten Views lassen sich dann z.B. mit der SAP BusinessObjects Cloud oder Lumira konsumieren. Die Modellierung geschieht recht ansprechend im neuen Datenflusswerkzeug. Das wird, wie alle BW/4 Werkzeuge auf dem Desktop in Eclipse ausgeführt. Überhaupt soll mit BW/4 nun wirklich Schluss sein mit der SAP GUI.

SAP preist BW/4 als durchgängige Datenmanagementplattform zur Ausführung digitaler Geschäftsprozesse.
Dazu in der Lage war das SAP BW genau genommen aber schon länger. Schließlich war die Grundidee des NetWeaver eine zentrale Unternehmensplattform auf Basis von Webservices anzubieten. Neu ist, dass BW/4 einen vereinfachten Zugriff auf Daten in einem so genannten Data Lake ermöglicht. Dafür muss es mit dem im März vorgestellten SAP HANA Vora zusammen arbeiten. So sollen auch Streaming-Daten und Sensor-Daten im Bereich Internet der Dinge genutzt werden können. SAP folgt damit unserem Architekturmodell für die Datenplattform des 21. Jahrhunderts. Wunderbar!

Wirklich interessant ist, dass SAP BW/4 HANA nicht als Weiterentwicklung von SAP BW 7.5 oder SAP BW powered by HANA positioniert, sondern als völlig neues Produkt. So ganz richtig ist das nämlich nicht. Bei BW/4 handelt es sich um ein so genanntes „code fork“. Eine parallele Entwicklung zu SAP BW 7.5 mit den gleichen Wurzeln. Entscheidend ist letztlich, dass BW/4 die neue primäre Codebasis für Weiterentwicklungen wird. Auch wenn man so formal nun zwei Datawarehouseprodukte im Portfolio hat, halte ich ein BW 7.6 für ausgeschlossen. Der Support läuft für die meisten dieser Systeme jedenfalls noch mindestens bis ins Jahr 2024.

Für Kunden die mit Ihrem bestehenden „klassischen“ Business Warehouse den Umstieg auf SAP BW/4HANA schaffen wollen bietet SAP Hilfsapplikationen an. Vielerorts wird ein Umstieg aber ein gigantisches Redesign erfordern. Schließlich werden alle älteren Daten-haltenden Infoprovider mit BW/4 entfernt. Wir freuen uns auf viele spannende Projekte!

Apple versuchte nebenan derweil mit verbesserter Kamera und IP67-Zertifizierung zu punkten. Schneller ist man natürlich auch wieder geworden.Alles durchaus praktisch.

Wirkliche Begeisterung konnte so richtig weder hüben noch drüben aufkommen. Das meiste war zu erwarten, die Verbesserungen entweder langfristig angelegt oder im Detail. Wer auf wirkliche Innovationen gehofft hatte wurde also enttäuscht?

Ja und Nein. Eine Innovation wie ein iPhone haben die meisten Unternehmen nie, nur ganz wenige eine und kaum ein Unternehmen mehr als das. SAPs Innovation war in den 1970er Jahren das ERP und 2012 die HANA. Erfolgreiche Unternehmen verstehen es aus einer solchen Innovation großartige Produkte zu entwickeln. Apple hat dies in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen. SAP sehen wir auf einem guten Weg dorthin. Dank Apples Vorbild hat SAP verstanden, dass ein großartiges Produkt nicht das Produkt mit den meisten Funktionen ist, sondern das welches die Bedürfnisse der Kunden am besten erfüllt. Leider neigen wir, gerade hier in Deutschland gerne dazu Neues immer und immer wieder zu hinterfragen bevor wir aktiv werden. Trauen Sie sich als Unternehmen mehr die Chancen und weniger die Risiken zu sehen. Warten Sie nicht darauf, dass SAP oder andere für Sie innovativ sind, sondern werden Sie selbst zum Innovator. Die Gelegenheit ist günstig, zum Beispiel im Bereich Analytics. Noch nie bot ein Datawarehouse mehr Möglichkeiten! Dank Cloud Computing war der Einstieg noch nie einfacher und schneller möglich. Wir helfen Ihnen gerne dabei. Zum Beispiel in unserem bewährten Co-Innovation Ansatz.

Sieger nach Punkten an diesem siebten September war für uns dennoch ganz klar Apple. Das lag weder am iPhone noch an den airPods und schon gar nicht an BW/4 HANA. SAPs Präsentation um die eigentliche Produktdemo herum spielt zwar nicht mehr in der Kreisklasse, aber eben auch noch lange nicht in der Champions League. Wo war Bill McDermott, um nur das gravierendste Beispiel zu nennen? Hatte er einen wichtigeren Termin? Besonders deutlich wurde der Unterschied zwischen den beiden Unternehmen In dem einzigen Moment an dem das Publikum im Saal wirklich begeistert war. Apple ließ sich vom Superheld eines ganz anderen Unternehmens die Show stehlen. Super Mario wird künftig in Apples App-Store zu finden sein. Whoohoo!

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Bis Mario auch auf der HANA nach Münzen jagt werden noch ein paar Tage ins Land gehen – und ein paar Gamification Workshops zu halten sein. Bis SAP solche Veranstaltungen besser zu nutzen weiß wohl leider auch.

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