Augmented Reality Konzepte bieten Chancen fast überall!

Neulich saß ich mit einer Kollegin an einer spannenden Diskussion über Augmented Reality. Neben der viel umschriebenen Digitalisierung und anderen interessanten Themen gibt es zu AR, oftmals auch unter dem Buzzword „Mixed Reality“ zu finden, viele und vor allem unterschiedliche Beiträge. Nicht immer wird klar um was es geht und oft genug werden Daten und Fakten aus anderen Quellen mit Halbwahrheiten übernommen, sodass man als Lesender Kopf nicht immer alles richtig einordnen kann.

Aus dem Gespräch ergaben sich einige Punkte die ich hier unten für alle aufgeführt habe, die Klarheit in Sachen Augmented Reality suchen sowie Interesse an der Entwicklung dieser Thematik haben.

Online sind haufenweise Videos zu sehen. Wie soll man als Laie unterscheiden zwischen übertrieben professionell dargestellten Inhalten und realistischen Sequenzen?

Übertrieben professionell dargestellte Inhalte erinnern oftmals an visuelle Effekte aus der Unterhaltungsbranche. Diese Effekte sind in der Regel sehr rechenintensiv und dienen in den meisten Fällen zur Unterhaltung der Zuschauer. Es gibt Effekte die „wie echt“ aussehen, also bewusst eingebaute Fehler enthalten die diese AR-Videos sehr real aussehen lassen können. Ein kleines Klischee: Denk mal an typische Photoshop Beispiele, und jetzt stell dir vor was man alles in der Video-Version davon machen könnte.

Auf diese Frage lautet die Antwort leider: Um heraus zu finden ob es eine bestimmte, funktionsfähige AR Anwendung gibt, muss man sie einfach ausprobieren. Das heißt ein super tolles AR-Maintenance-Video kann so lange eine echte Anwendung zeigen, bis sie Jemand ausprobiert und fest stellt, dass sie nicht funktionsfähig ist (denk einfach an Schrödingers erweiterte Katze). Wenn wir gut gemachte Werbung sehen, wissen wir ja auch in der Regel wie viel Aufwand dahinter steckt, und dass alles genau konzipiert und nach Plan umgesetzt wurde.

Zur Zeit sind AR Ideen schöner als das, was man technisch wirklich umsetzen kann. Eine optisch nicht allzu schöne, vielleicht ruckelnde Anwendung ist realer als ein gut gemachtes, schönes Video, wenn man mit dieser Anwendung real interagieren und echte Aufgaben lösen kann.

AR hat Zukunft – sowohl in beruflichem als auch privatem Umfeld. Das wird zumindest überall in den Medien so dargestellt. Was ist deine Ansicht zu dieser Thematik? Wo macht AR wirklich Sinn?

Zunächst muss man ein wenig in die Vergangenheit blicken; ich bin mir sicher dass diese Beispiele jeder kennt, aber ähnlich dem Telefon das nun zum Mini-Computer (genannt Smartphone) wurde, hat AR das Potenzial einen ähnlichen Platz einzunehmen. Ich würde bewusst ähnlich sagen da AR, wenn es technisch einwandfrei laufen und eine wirklich breite Masse erreichen wird, sicherlich einen kleinen bis größeren Boom erlebt.

Dieser wird wieder nachlassen, nachdem genug ausprobiert und experimentiert wurde, um AR schließlich genau dort und genauso einzusetzen, dass es einwandfrei, sinnvoll und vor allem brauchbar läuft und uns in welcher Form auch immer die Kommunikation, Interaktion und Arbeit erleichtern wird. Man sollte sich bewusst machen dass nicht jeder, der über AR berichtet, auch genug Hintergrundinformationen zu dem Thema hat.

Zum zweiten Teil der Frage, wo AR wirklich Sinn macht. Als Parallele würde ich sagen, dass AR in Zukunft einen ähnlichen Einsatz finden wird wie momentan eine zu einer Anwendung oder Dienstleistung passende App. Ich kann mich physisch an einen Ort begeben um einen Termin zu vereinbaren, eine Bestellung aufzugeben oder eine Aufgabe zu erledigen, ich kann dies aber auch „mal schnell per App“ tun. Für mich gibt es auf diese Frage nur eine Antwort: AR macht überall und jederzeit Sinn, man muss nur wissen, wie man es richtig einsetzt.

Als Einstieg in die Zukunft könnte die Frage heute also lauten: an welchem Punkt sehen Informationen, Zusammenhänge oder Daten besser im dreidimensionalen Raum aus als in 2D auf einem flachen Bildschirm?

Wie lange dauert es deiner Ansicht nach, bis AR wirklich alltagstauglich wird? Wenn es soweit ist: Wie lange denkst du, wird es dauern, bis es auch „den Letzten“ unter uns erreicht hat? Damit meine ich: Wie lange dauert es, bis AR wirklich bei jedem angekommen ist, wie bspw. Smartphones?

AR hat viel mit der Art und Weise zu tun, wie wir denken, Informationen ordnen und diese wiederum von Fall zu Fall verwenden und umsortieren. Das Analysieren der eigenen Denkweise, und ich meine nicht psychologisch oder physiologisch, sondern vielmehr wie das Gehirn diese Informationen tatsächlich anordnet, ist einer der vielen Schlüssel zu gutem AR. Wenn mir bewusst ist wie ich Informationen ablege und mit anderen Informationen verbinde, kann ich ein visuelles Äquivalent erzeugen, mit dem ich dann eine Anwendung in Augmented Reality bauen kann.

Das klingt sehr abstrakt und ich werde mal ein Beispiel machen. Eine App auf dem Smartphone hat ein Menü und viele Möglichkeiten zum scrollen weil ich außer dem kleinen Bildschirm sonst keinen Platz habe, um die Informationen und Funktionen alle anzuzeigen. Wenn ich diese App aber auf meiner Zimmerwand abbilden könnte, bräuchte ich dann überhaupt ein Menü? Müsste ich die Fotos und Dokumente dann unbedingt in einer Liste anordnen? Müsste ich überhaupt noch scollen? Gäbe es für mich einen Grund bestimmte Informationen auszublenden? Wenn ich so viel Platz habe, und diesen auch nutzen kann, brauche ich eine völlig andere Darstellungsweise für meine Apps und Webseiten.

An dieser Stelle komme ich nochmal auf das Thema echtes und unechtes AR Video: Wenn ich eine App so gut wie unverändert und in herkömmlichem 2D in den Raum bringe habe ich etwas falsch gemacht; dann habe ich zwar die App technisch in AR gebracht aber nicht ihren Inhalt, die Informationen und wie sie miteinander zusammenhängen sinnvoll im Raum abgebildet.

Wie lange es also dauern wird bis AR wirklich überall angekommen ist hängt von der Schnelligkeit ab, mit der die Nutzer diese Art der Konzeption und Informationsvisualisierung nachvollziehen, verstehen und selbst anwenden können. Das kann ganz schnell passieren oder auch nur sehr langsam.

Findest du den Hype um AR gerechtfertigt? Wenn ja, wieso? Wenn nein, wieso?

Aus meiner Sicht kann AR helfen unsere Denkweise besser zu verstehen und diese dann bewusster und effektiver für Arbeit und Privatleben einzusetzen. Der Hype ist berechtigt da es zur Zeit mehrere gute Anbieter der AR Technologie gibt sowie eine gewisse Sensibilisierung, wie gut AR denn wirklich sein sollte. Konzeptionell kann AR genau das tun, was das Internet und seine Art der Interaktion nicht kann: Assoziative Verbindungen, wie unser Gehirn es von Natur aus kann und nicht erst mit Mühe über die Nutzung der Technik lernen muss.

Die Thematik von AR ist unglaublich spannend. Deshalb hast du deine Masterarbeit wahrscheinlich mit dem Schwerpunkt AR gewählt. In der Zeit der Recherche gab es bestimmt einen oder auch mehrere „Aha“-Momente, der/die dir eine ganz neue Sicht auf dieses Thema gegeben hat/haben. Welcher war der prägnanteste?

Wirklich aufgefallen ist mir nur das, was ich bereits beschrieben hatte: die Anwendungen werden nicht für den erweiterten Raum konzipiert („große Wand“), sondern technisch lediglich auf ein AR fähiges Gerät kopiert. Der zweite Aha-Momentan war sicherlich, dass es so wenige Anwendungsbeispiele gab, beziehungsweise teilweise auch Publikationen von anderen Autoren, die behaupten es gäbe für Augmented Reality keine richtigen Use Cases weil AR dafür angeblich nicht zu gebrauchen wäre. Das ist schlichtweg falsch.

Es gibt einen ganz einfachen Weg um heraus zu finden, wer sich mit AR auskennt und wer nicht. Wer alle Apps funktionsfähig aber 1:1 auf das Gerät kopiert kann die Technik, jedoch nicht das Konzept. Wer für AR konzipieren kann, konzipiert für alle Branchen und für fast alle denkbaren Use Cases. Und wer behauptet AR könnte nicht überall eingesetzt werden hat AR schlicht weg nicht verstanden.

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